Grün - der Körper

„Wenn ich die Augen eines Buddha hätte, würde ich in deinen Fußabdrücken die Spuren von Kummer und Sorgen klar erkennen können, die du auf der Erdoberfläche hinterlässt, wenn du gehst; so wie ein Wissenschaftler unter dem Mikroskop, in einer dem Meer entnommenen Probe Wasser, das Leben der Mikroorganismen studieren kann.“

 

Thich Nhat Hanh

 

Den Körper überwinden?

Noch immer werden Geist und Körper häufig auseinanderdividiert, und meist ist es der Körper, der dabei den Kürzeren zieht – degradiert zur Maschine, zum Werkzeug, zum Träger des Geistes.

           

Manche Menschen wenden sich der Meditation zu, weil sie hoffen, mit dieser Methode ihren Körper zu überwinden.

Die Vorstellung ist hier „ich bin nicht meine Empfindungen“, und sie gilt dann ebenso wie die Leitsätze „ich bin nicht meine Gedanken“ oder „ich bin nicht meine Gefühle“ als Stufe auf dem Weg, mich von aller irdischen Last zu befreien, hin zur „Erleuchtung“.

In der strengen Trennung zwischen Körper und Geist ist eine Wertung bereits implizit: der Geist ist zu Höherem berufen, der Körper ist eine – wenn auch komplexe – Maschine.

 

Körper und Geist

Wie kann ich, ein körperliches Wesen, wach und präsent sein, wenn ich meinen Körper nicht wahrnehme?

Bin ich in ihm zu Hause? Achte und schätze ich ihn, oder benutze ich ihn nur?

 

Paul Valery, der sich viel mit dem Zusammenwirken von Körper und Geist beschäftigt hat, hat einmal geschrieben: „Und was wäre so mancher Gedanke, hätte er nicht eine Kehle, die er zuschnüren, eine Drüse, die er entleeren, einen Kopf, den er erhitzen, einen Atem, den er ins Stocken, Hände, die er zum Zittern, Glieder, die er zum Erstarren bringen könnte?“

 

Und in diesem Sinne könnte man auch sagen: was wäre eine Erkenntnis, wenn ich keinen Körper, kein Gehirn und keine Sinnesempfindungen hätte, um sie wahrzunehmen?

 

Achtsamkeit beschert die Erfahrung, dass meine Weltwahrnehmung eine körperliche ist, und dass die Wahrnehmung meines Körpers ungeahnte Erfahruns-Räume öffnet.

 

Ich bin auch mein Körper

Dem Körper kommt in unserer Arbeit ein wichtiger Stellenwert zu.

Die achtsame Körperwahrnehmung bildet die Basis meiner Präsenz, die Bezugnahme auf den Atem verankert mich immer wieder in der Achtsamkeit, die Zuwendung zum Körper als Fundament der Selbstliebe, ohne die sich keine Liebe entwickeln kann, ist die heilsame Grundlage für mein Verhältnis zu anderen Menschen.

Mein respektvoller Umgang mit meinem Körper dient als Blaupause für meine Haltung dem Leben und der Welt gegenüber, und nicht zuletzt achten wir die Erforschung des körperlichen Zustandes als Erkenntnisgrundlage dafür, mit welchem Blick ich in der Welt stehe, jetzt und hier.

Auf dieser Erde lebe ich als körperliches Wesen, und diese Körperlichkeit gilt es nicht zu „überwinden“, sondern zu erfüllen.

 

Grün ist die Farbe des Reichtums, den ich in der Achtsamkeit finde, weil ich ein Körper bin.

            

Farben der Achtsamkeit

Die unterschiedlichen Farben und deren Bedeutung.

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